Warum echte Fortschritte nicht beim späteren Bremsen auf der Rennstrecke beginnen sondern im Personal Coaching
Zurück von der Rennstrecke gehen mir die drei intensiven vergangenen Tage noch einmal durch den Kopf. Viele gemeinsame Runden, Gespräche und Videoanalysen. Kleine Veränderungen, die auf dem Motorrad plötzlich eine große Wirkung entfalten. Und Teilnehmer, die teilweise seit vielen Jahren auf der Rennstrecke fahren und trotzdem feststellen:

Da geht noch einmal richtig etwas beim Personal Coaching auf der Rennstrecke.
Genau diese Momente sind für mich der Grund, warum ich Personal Coaching auf der Rennstrecke so spannend finde. Denn die Motorradfahrer, die zu uns kommen, können meistens bereits sehr gut fahren. Einige sind seit zehn oder fünfzehn Jahren auf Rennstrecken unterwegs. Sie kennen Bremspunkte, Linien und Schräglage. Viele haben schon Instruktionstrainings absolviert und viel Geld in ihr Motorrad investiert.
Trotzdem kommen sie irgendwann an einen Punkt, an dem die Entwicklung scheinbar stehen bleibt.
Ihre Rundenzeiten verändern sich kaum noch. Das Gefühl auf dem Motorrad wird nicht wirklich besser. Jeder Versuch, schneller zu werden, bedeutet häufig nur, die eigene Grenze zu überschreiten.
Aber ist das wirklich der richtige Weg?
Wenn schneller Fahren nur noch mehr Risiko bedeutet?
Viele Rennstreckenfahrer kennen die klassischen Hinweise:
„Du kannst später bremsen.”
„Du musst früher ans Gas.“
„Da kannst du noch mehr Schräglage fahren.“
„Du musst die Ideallinie genauer treffen.“
Natürlich können diese Hinweise richtig sein. Die Frage ist nur: Sind sie auch das eigentliche Problem?
Wenn ein Fahrer mit seiner Körperposition, seinen Bewegungsabläufen oder der Vorbereitung einer Kurve bereits an seine persönlichen Grenzen geht, verbessert sich seine Fahrtechnik nicht automatisch, wenn er später bremst.
Er fährt lediglich näher an den Grenzbereich heran.
Das kann eine Zeit lang gutgehen. Bis es nicht mehr funktioniert und dann kommt häufig der Sturz. Und ein Sturz kostet nicht nur Geld. Verkleidung, Hebel, Fußrasten, Fahrwerk oder im schlimmsten Fall das gesamte Motorrad können schnell mehrere Tausend Euro kosten.
Viel entscheidender ist jedoch etwas anderes: Ein Sturz verändert häufig das Vertrauen. Plötzlich fährt eine zusätzliche Frage mit:
„Was passiert, wenn es wieder passiert?”
Aus dem Versuch, schneller zu werden, entsteht Unsicherheit. Aus Begeisterung wird Frust. Und irgendwann stellt sich die Frage: „Warum komme ich trotz all meiner Erfahrung eigentlich nicht weiter?”
Viele Fahrer beginnen dann nach technischen Lösungen zu suchen.
Ein besseres Fahrwerk.
Mehr Motorleistung.
Eine andere Übersetzung.
Neue Slicks.
Datenlogger.
Und noch ein Fahrwerksservice.
Ein weiterer Umbau.
Das Motorrad wird immer leistungsfähiger. Doch ein Bestandteil des Systems bleibt häufig unangetastet: Der Fahrer. Dabei steckt genau dort oft das größte Potenzial.
Denn ein Motorrad kann nur das umsetzen, was der Fahrer ihm ermöglicht.
Wenn wir das Motorrad durch unsere Körperhaltung, zu viel Kraft am Lenker, hektische Bewegungen oder eine schlechte Kurvenvorbereitung ständig beeinflussen, kann selbst das beste Fahrwerk der Welt dieses Problem nicht vollständig lösen.
Deshalb beginnen wir im Personal Coaching häufig an einer ganz anderen Stelle.
Nicht beim Bremspunkt.
Nicht bei der maximalen Schräglage.
Und auch nicht bei der Rundenzeit.
Wir beginnen dort, wo Fahrer und Motorrad zu einem gemeinsamen System werden. Erst Balance. Dann kommt die Geschwindigkeit. Für uns ist das eine der wichtigsten Voraussetzungen für schnelles Motorradfahren.

Balance zwischen Fahrer und Motorrad.
Wie sitzt du auf dem Motorrad?
Wann bereitest du deinen Körper auf die Kurve vor?
Wie viel Kraft benötigst du am Lenker?
Wie ruhig bleibt dein Oberkörper?
Wie stark belastest du das Motorrad beim Bremsen?
Wann positionierst du dich?
Wie klar sind deine Bewegungsabläufe?
Und wie viel Aufmerksamkeit bleibt dir während der Fahrt überhaupt noch für Strecke, Linie und Geschwindigkeit?
All diese Dinge laufen nach einigen Jahren vollkommen automatisch ab. Genau darin liegt aber auch das Problem. Automatisch bedeutet nicht zwangsläufig richtig. Ein Bewegungsmuster, das wir uns vor zehn Jahren angewöhnt haben, fühlt sich irgendwann vollkommen normal an. Selbst wenn es uns heute daran hindert, den nächsten Schritt zu machen.
„Ich fahre seit 15 Jahren Rennstrecke, aber ich komme nicht weiter.”
Andreas war einer unserer Teilnehmer am Ring. Er fährt seit rund 15 Jahren auf der Rennstrecke. Erfahrung war also genügend vorhanden. Trotzdem hatte er über längere Zeit das Gefühl, über ein bestimmtes Niveau nicht hinauszukommen.
Seine Motivation für das Coaching beschreibt er sehr treffend: „Ich bin über eine gewisse Qualität oder Geschwindigkeit im sicheren Bereich nicht hinausgekommen. Irgendwas mache ich falsch.“
Und dann folgt ein entscheidender Satz: „Man sieht sich selbst nicht.“
Genau das ist eine der größten Herausforderungen beim Motorradfahren. Das Gefühl auf dem Motorrad ist subjektiv. Was sich schnell anfühlt, muss nicht schnell sein. Was sich sauber anfühlt, muss nicht sauber aussehen. Und eine Körperposition, die sich vollkommen normal anfühlt, kann von außen betrachtet völlig anders wirken.
Deshalb haben wir bei Andreas nicht einfach versucht, seinen Bremspunkt weiter nach hinten zu verschieben. Wir sind zunächst zurück zur Basis gegangen.
Positionierung.
Vorbereitung.
Reihenfolge der Bewegungsabläufe.
Bremsen.
Körperhaltung.
Ruhe auf dem Motorrad.
Nach zweieinhalb Tagen Coaching sagte Andreas: „Ich nehme mit, dass ich eigentlich fast wieder von vorne beginnen muss.“
Das klingt zunächst vielleicht negativ. Für uns ist es jedoch das Gegenteil. Denn manchmal ist der größte Fortschritt nicht, sofort schneller zu fahren. Sondern zu erkennen, warum man bisher nicht schneller geworden ist.
Die Rundenzeit einmal bewusst vergessen
Andreas hat aus unserem Coaching noch etwas anderes mitgenommen: „Man muss das, was man neu gelernt hat, üben, üben, üben und die Zeit vergessen. Wenn man sicher ist und das im Kopf hat, wird man automatisch schneller.“
Genau das entspricht unserer Philosophie.
Natürlich geht es auf einer Rennstrecke auch um Geschwindigkeit. Wir freuen uns natürlich über bessere Rundenzeiten. Aber die Stoppuhr sollte nicht darüber bestimmen, wie ein Fahrer seine Entwicklung angeht.
Denn sobald die einzige Frage lautet: „Wo finde ich noch eine Sekunde?“, beginnen viele Fahrer automatisch dort zu suchen, wo es am einfachsten erscheint.
Später bremsen.
Mehr Schräglage.
Früher Gas geben.
Dabei ist die viel interessantere Frage: Wie schaffe ich mir fahrerische Reserven, aus denen Geschwindigkeit entstehen kann?
Wenn du ruhiger auf dem Motorrad sitzt, deine Position früher vorbereitest und weniger Kraft am Lenker benötigst, verändert sich plötzlich sehr viel.
Das Motorrad wird stabiler.
Du kannst sauberer einlenken.
Deine Aufmerksamkeit steigt.
Du erkennst Situationen früher.
Du kannst deine Linie präziser fahren.
Vor allem hast du nicht mehr permanent das Gefühl, am Limit zu sein. Das sind für uns die sicheren Reserven und aus ihnen entsteht später Geschwindigkeit.

Was eine Videoanalyse sichtbar macht.
Michael war ebenfalls bei unserem Coaching am Ring. Auch er ist bereits seit vielen Jahren auf Rennstrecken unterwegs. Er wusste selbst, dass sich mit der Zeit bestimmte Gewohnheiten eingeschlichen hatten. Aber er konnte sie während der Fahrt nicht klar identifizieren.
Nach dem Coaching sagte er: „Ich fahre schon seit vielen Jahren Rennstrecke und musste jetzt feststellen, dass ich noch einmal einen riesigen Schritt nach vorne gemacht habe.“
Ein wichtiger Bestandteil dafür war die Videoanalyse. Denn Video ist gnadenlos ehrlich. Plötzlich sieht ein Fahrer selbst: Wie sitze ich wirklich auf dem Motorrad?
Wann bewege ich meinen Körper? Wie ist meine Kopfposition? Wie stark arbeite ich mit den Armen?
Wie positioniere ich mich in der Kurve?
Michael formulierte es so: „Es ist teilweise sehr faszinierend, wie man auf dem Moped sitzt.“
Genau hier beginnt Coaching.
Nicht dadurch, dass der Coach zehn Fehler aufzählt. Sondern indem wir gemeinsam erkennen, welche Veränderung im Moment den größten Effekt hat und dann folgt erst der nächste Schritt.
Ausprobieren.
Spüren.
Wieder das Video ansehen.
Analysieren.
Anpassen.
Wieder fahren.
Diese Schleife ist aus unserer Sicht einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einem regulären Instruktionsturn und einem intensiven Personal Coaching.
Auch gute Fahrer brauchen manchmal einen neuen Impuls.
Werner hatte eine andere Ausgangssituation. Er war bereits sehr gut auf dem Motorrad unterwegs. Sein Ziel war es nicht, grundlegende Fehler zu beseitigen. Er wollte den nächsten Feinschliff.
Seine Motivation: „Wenn man gut Motorrad fahren kann, gibt es immer noch etwas zu verbessern.”
Genau das ist der Punkt.
Personal Coaching bedeutet nicht, allen Fahrern dasselbe Programm zu verordnen.
Der eine Fahrer muss zunächst seine Körperposition verändern.
Ein anderer muss seine Vorbereitung vor der Kurve verändern.
Ein weiterer benötigt mehr Stabilität beim Bremsen.
Und ein bereits sehr guter Fahrer arbeitet vielleicht nur an wenigen Details.
Im Fall von Werner ging es vor allem darum, seine vorhandene Technik weiter zu verfeinern. Sein Fazit: „Meine Sicherheit hat sich verbessert und meine Kurventechnik ist viel besser geworden.“
Und gleichzeitig war ihm nach dem Coaching bereits klar, welcher sein nächster Entwicklungsschritt sein wird.
Er möchte die Linienführung noch weiter präzisieren. Genau das verstehen wir unter nachhaltiger Entwicklung. Nicht alles gleichzeitig. Sondern Schritt für Schritt.
Die Transformation: vom Kämpfen zum Fahren
Was verbindet diese drei Fahrer? Sie alle hatten unterschiedliche Ausgangssituationen. Aber alle drei wollten dasselbe: Sich weiterentwickeln.
Nicht einfach nur schneller fahren. Sie wollten verstehen, warum sie an bestimmten Punkten nicht weiterkamen. Und genau hier liegt für uns die eigentliche Transformation eines persönlichen Coachings.
Oft steht am Anfang ein Fahrer, der versucht, Geschwindigkeit zu erzwingen. Durch mehr Einsatz. Durch mehr Risiko. Durch später bremsen. Durch mehr Schräglage oder dem frühen Gas geben.
Am Ende soll ein Fahrer stehen, der versteht, wie Fahrer und Motorrad zusammenarbeiten.
Der seine Bewegungen vorbereitet.
Der es dem Motorrad ermöglicht, stabil zu funktionieren.
Der weniger Kraft benötigt.
Der mehr Kapazität im Kopf frei hat.
Der Reserven spürt.
Und der dadurch irgendwann schneller fährt, ohne das Gefühl zu haben, permanent über seine Grenzen hinausgehen zu müssen. Das ist für uns der entscheidende Unterschied.

Die sicheren Sekunden kommen vor den schnellen Sekunden.
Wir sprechen deshalb gerne von den „sicheren Sekunden”. Denn bevor ein Fahrer wirklich nachhaltig schneller werden kann, muss zunächst seine Grundlage stabil sein.
Je besser du dein Motorrad kontrollierst, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich. Mehr Vertrauen ermöglicht mehr Geschwindigkeit.Mehr Ruhe ermöglicht bessere Entscheidungen. Eine bessere Position ermöglicht präzisere Linien. Und plötzlich verändert sich auch die Rundenzeit.
Nicht, weil du sie mit Gewalt gesucht hast, sondern weil deine Fahrtechnik sie möglich macht. Sondern weil deine Fahrtechnik es dir ermöglicht.
Und genau dann passiert häufig dieser besondere Moment. Nach dem Turn kommst du in die Box zurück. Du nimmst den Helm ab. Du schaust auf die Uhr.
Und dann kommt dieses große Grinsen.
Nicht nur wegen einer Zahl auf dem Display. Sondern weil du gespürt hast:
„Ich habe gerade verstanden, wie es besser geht.”
Personal Coaching bedeutet deshalb mehr als nur Vor- und Nach
fahren. Ein persönliches Rennstrecken-Coaching ist für uns kein permanentes „Fahr mir hinterher“. Es bedeutet beobachten, analysieren, erklären, verändern, ausprobieren und verinnerlichen. Manchmal bedeutet es auch, einen erfahrenen Fahrer bewusst einen Schritt zurückzuführen, damit er danach mehrere Schritte nach vorne machen kann.
Unser Ziel ist es nicht, dich kurzfristig über deine Grenze zu drücken. Unser Ziel ist es, deine Grenze zu verschieben. Durch Technik. Durch Verständnis. Durch Vertrauen. Und durch eine Fahrweise, bei der du immer mehr mit deinem Motorrad zu einer Einheit wirst.
Denn auch auf der Rennstrecke gilt für uns:
Sicherheit + Vertrauen + Leidenschaft = Freiheit.

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